Außerschulische Bildung eröffnet Kindern Möglichkeiten, die im klassischen Unterricht oft nur begrenzt entstehen können: neue Erfahrungen sammeln, eigene Fähigkeiten entdecken, Verantwortung übernehmen und Menschen mit anderen Lebensgeschichten und kulturellen Hintergründen kennenlernen. Schulsozialarbeit kann solche Bildungsprozesse begleiten und Räume schaffen, in denen Begegnung und gemeinsames Lernen möglich werden.
Ein Beispiel dafür ist die deutsch-polnische Schülerbegegnung der 6. Klasse der Theodor-Fontane-Oberschule mit einer Partnerschule aus Poznań. Vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 verbrachten die Schülerinnen und Schüler eine gemeinsame Bildungswoche in der Bildungsstätte Schloss Trebnitz. Bereits die An- und Abreise wurde umweltschonend mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisiert. Die Begegnung wurde zu einem großen Teil durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) gefördert.
Für die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse bedeutete die Fahrt weit mehr als eine Reise. In gemeinsamen Workshops konnten sie sich unabhängig von schulischen Leistungsanforderungen ausprobieren und neue Erfahrungen sammeln. Unter professioneller Anleitung wurden unter anderem Luftakrobatik, Tanz und Theater angeboten. Sprachmittlerinnen und Sprachmittler unterstützten die Begegnung und machten deutlich, dass Verständigung nicht ausschließlich über Sprache funktioniert.
Das Erlernte und Erprobte blieb dabei nicht auf die Workshops beschränkt: Zum Abschluss präsentierten die Kinder in einer großen gemeinsamen Präsentation ihre neu erworbenen Fähigkeiten. Dabei konnten sie zeigen, was sie während der Woche gelernt, gemeinsam entwickelt und als Gruppe auf die Beine gestellt hatten. Der Auftritt wurde so zu einem besonderen Moment der Begegnung und zu einer sichtbaren Würdigung der Leistungen der Kinder.
Gerade hier liegen wichtige Möglichkeiten der Schulsozialarbeit: Sie kann Bildungsangebote außerhalb des Unterrichts initiieren, begleiten und pädagogisch unterstützen. Dabei entstehen Lernorte, an denen Kinder ihre sozialen Kompetenzen erweitern, Selbstvertrauen entwickeln und mit anderen Perspektiven in Kontakt kommen. Gemeinsame Aktivitäten schaffen Begegnungen auf Augenhöhe und können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Toleranz und gegenseitigen Respekt zu fördern.
Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Lagerfeuer, Ausflüge oder eine Kinderdisko wurden zu wichtigen Bestandteilen der Begegnung. Denn interkulturelles Lernen findet nicht nur im Workshop statt. Es entsteht vor allem dort, wo Kinder gemeinsam lachen, spielen, etwas ausprobieren, sich gegenseitig unterstützen und Unterschiede als selbstverständlich erleben.
Für die Schulsozialarbeit der Stiftung SPI in Potsdam zeigt dieses Projekt exemplarisch, wie außerschulische Bildungsarbeit und interkulturelle Begegnung miteinander verbunden werden können. Schulsozialarbeit begleitet Kinder und Jugendliche dabei nicht nur bei individuellen oder schulischen Herausforderungen, sondern eröffnet ihnen auch Zugänge zu Bildungs-, Kultur- und Erfahrungsräumen außerhalb des Unterrichts.
Die deutsch-polnische Begegnung in Trebnitz hat dabei eines besonders deutlich gemacht: Man muss nicht dieselbe Sprache sprechen, um miteinander in Kontakt zu kommen. Man braucht Räume, Zeit und die Möglichkeit, sich zu begegnen. Genau solche Räume kann Schulsozialarbeit gemeinsam mit Schule, außerschulischen Partnern und Förderinstitutionen schaffen.
Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die diese Begegnung ermöglicht und begleitet haben, sowie dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk, dessen Förderung einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Projektes geleistet hat.


